Die vier Jahreszeiten im Weinberg: Der Rebschnitt (Winter)

Das Leben der Weinberge wird vom Lauf der Jahreszeiten bestimmt. Die tägliche Pflege, die ihnen die Champagner-Winzer angedeihen lassen, macht die Einzigartigkeit von Champagner aus.

Der Grundstock der Weinrebe

Von allen Arbeitsabläufen im Weinberg, ist der Rebschnitt der wichtigste Schritt, denn die Qualität der gesamten Ernte hängt von seiner Genauigkeit und Finesse ab. Der richtige Rebschnitt sorgt für Kraft, Fruchtbarkeit und Reife, und ermöglicht Entwicklung und Wachstum. Nachdem die Weinlese abgeschlossen ist, folgt als nächster Schritt der Rebschnitt. Mit dem Zurückschneiden wird begonnen, sobald die Reben ihre Blätter abgeworfen haben. Allerdings werden die Pflanzen nicht in der winterlichen Ruhepause geschnitten, welche von Mitte Dezember bis Mitte Januar stattfindet. Danach kann der Rückschnitt bis in den März hinein erfolgen.

Die Vier Schnittsysteme der Champagne

  • Chablis-Schnitt: kurzer Schnitt auf langem Stamm.
  • Cordon-Schnitt und Cordon Permanent: kurzer Schnitt auf einzelnem langem Stamm.
  • Guyot-Schnitt: langer Schnitt auf kurzem Stamm, der einfach, doppelt oder asymmetrisch sein kann.
  • Schnitt Vallée de la Marne (nur für Meunier): langer Schnitt auf kurzem Stamm.
Quelle Bild: www.champagne.fr

Die Planung des Rebschnitts

Der Winzer betrachtet vor Beginn des Rebschnitts folgende Faktoren:

  • Kraft des Rebstocks im Allgemeinen
  • Ausgewogenheit: Verteilung und Anzahl der Knospen, vertikale oder seitliche Ausrichtung, Überkreuzung von Zweigen
  • Wachstumsperspektive für das Folgejahr: Länge des Stamms, Risiko der Überkreuzung mit den benachbarten Reben bei der „Liage“ (Befestigung an Bindevorrichtungen), Auswahl der zu befestigenden Reben
  • Notwendigkeit eines Verjüngungsschnitts; Stärke des Austriebs, falls erfolgt; Position des Triebs (am Fuß des Weinstocks).

Die Aufgaben des Rebschnitts

Ausgewogenheit von Kraft/Produktivität

Durch den Schnitt verbessert sich die Nährstoffzirkulation, so dass die Fruchtstände besser versorgt sind. Damit die für das Wachstum nötige Kraft entsteht, müssen die Nährstoffe gleichmäßig zu allen Knospen gelangen. Jedoch beeinträchtigt ein Übermaß an Nährstoffen die Fruchtbarkeit. Deshalb lässt sich durch die Ausgewogenheit von Kraft und Fruchtbarkeit (zwei schwer zu vereinbare Eigenschaften, die optimale Qualität erreichen.

Um diese Ausgewogenheit zu erreichen, hilft die Wahl des richtigen Schnitts. Die Nährstoffe zirkulieren in einem langen Stamm schwer. Einerseits verbreiten sie sich so besser entlang der Ranken, was Kraft gibt, andererseits wird die übermäßige Versorgung der Knospen vermieden, was gut für die Fruchtbarkeit ist. Dieses Phänomen befördert der lange Schnitt, denn er schafft Knoten, die die Nährstoffzirkulation bremsen.

Ausgewogenheit der Silhouette

Der Rebschnitt gibt dem Weinstock seine Form und bereitet ihn für weitere Schnittarbeiten vor. Eine gleichmäßige Verteilung von Blättern, die ideale Aufnahme von Sonnenstrahlen auf der Blattoberfläche und die optimale Belüftung der Trauben sind hier das Ziel.

Ausgewogenheit von Lebensdauer / Ertrag

Die Lebenskraft der Rebstöcke wird durch den Schnitt gesteuert. Produzieren sie zu viel, werden sie kraftlos – darauf müssen die Winzer achten. Durch einen Verjüngungsschnitt am Stamm kann sich ein neuer Stamm bilden und den alten ersetzen.

Auf den Rebschnitt folgt das Binden / die „Lage“

Im Anschluss an den Rebschnitt und vor Blütenbeginn, findet Anfang April die „Liage“ statt. Bei diesem Vorgang wird die Pflanze von Hand an unterstützenden Bindevorrichtungen befestigt, um das Wachstum zu steuern. Dafür wird ein Draht verwendet, der in Papier oder ähnlichem biologisch abbaubarem Material eingewickelt ist. Dies geschieht von Hand und verlangt Präzision und Schnelligkeit.